Ich bin, wer ich bin.
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Truth


Heute würde ich es ihm sagen`, ging es mir durch den Kopf als ich mich zufrieden im Spiegel betrachtete. "Kommt das Outfit wirklich nicht arrogant rüber?", fragte ich Julia, die etwas genervt von ihrer Zeitschrift aufblickte.
"Nein", sagte sie gereizt.
"Und die rosa Stiefel mit...", weiter kam ich nicht.
"Man Marie! Wie oft willst du noch von mir hörn, dass du gut aussiehst? Langsam ist es echt deprimierend für mich!", sie grinste und wendete sich wieder ihrer Zeitschrift zu. Auch ich grinste, wollte dann aber einen weiteren Anlauf starten und wurde sofort von Julia ermahnt: Wag es ja nicht!", als könnte sie Gedanken lesen. Ich richtete meinen Blick wieder auf den Spiegel, der mir lächelnd entgegenblickte. Mein Spiegelbild trug einen kurzen Jeansminirock, ein rosa Top mit weitem Ausschnitt und hohe rosa Stiefel mit einer Schnalle. Die Figur war perfekt und ihre langen, blonden Haare waren mit ein paar Spangen hochgesteckt, wobei ein paar Strähnen vorne heraushingen und ihr schmales, hübsches Gesicht umrandeten, welches leicht geschminkt war: rosa Lidschatten, starke, schwarz geschminkte Wimpern, ein wenig Kajal, der ihre eisblauen Augen umrandete, aber nicht sehr auffiel und rosa Lipgloss. Das war ich, die 13jährige Marie.
"Wann kommen die Kerle?", riss Julia mich aus meinen Gedanken. "Äh...", ich schaute sie an. Sie war das komplette Gegenteil von mir. Meistens trug sie schwarze, schlabberige Hosen und normale
T-Shirts, auf denen, mit einigen Ausnahmen, immer der Aufdruck der Band Sum41 prangte. Mit diesen Klamotten versteckte sie ihre etwas mollige Figur und so blieb es ihr gestattet, ohne weiteres, weiterhin ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Essen, nachzugehen. Außerdem hatte sie braune, glatte Haare, die sie meistens offen trug und ein schmales Gesicht, was stark und schwarz geschminkt war.
"Hallo!", schrie Julia.
"Sie meinten, dass sie um sechs hier wären", antwortete ich. "Und dann wollten sie mit uns noch in diesen einen Club, in dem sie heute auftreten." Julia nickte begeistert und schminkte sich nach.
Julia war meine beste Freundin und ich wusste, dass ich ihr alles erzählen konnte, egal was es war, doch auch meine Nachbarn in Loitsche, ein kleines Dorf in Magdeburg, hatte ich lieb gewonnen: Die Kaulitz-Twins Bill und Tom. Die beiden hatten eine Band, "Develish", in der auch Georg und Gustav, ebenfalls Freunde von mir, eine große Rolle spielten. Bill war der Sänger, Tom der Gitarrist, Georg der Bassist und Gustav der Drumer. Gemeinsam produzierten sie richtig gute Musik und traten in unglaublich vielen Clubs auf. Bill hatte, meiner Meinung nach, eine richtig geile Stimme.
Ein Klingeln riss mich aus meinen Gedanken. "Das müssen sie sein", rief ich Julia zu während ich die Treppe runter rannte. Kurz darauf standen wir beide auch schon in der Haustür und wurden von den Jungs umarmt. Allerdings bekam Julia von Tom einen langen Kuss, denn die beiden waren seit einiger Zeit zusammen.
Als wir am Club ankamen, waren schon ziemlich viele Leute da, doch glücklicherweise wurde für uns immer ein Tisch reserviert, wenn die Jungs spielten. Die Kerle verschwanden sofort hinter der Bühne und ließen uns allein, was bedeutete, dass Julia und ich uns allein durch die ganzen Menschenmassen zu unserem Tisch zwängen mussten. Als wir dann endlich dort ankamen, standen die Jungs schon auf der Bühne und spielten ihren ersten Song. Ich blickte auf die Bühne und als ich die Vier so spielen hörte, kamen mir wieder alte Erinnerungen hoch, die ich schnellstens verdrängen wollte. Also schleppte ich die völlig erschrockene Julia hinter mir her zur Tanzfläche und fing an zu tanzen.

Zwei Jahre zuvor (Marie war 11) :

Liebes Tagebuch!
[Hierzu muss ich sagen, dass die sprachliche Kompetenz mit Absicht heruntergestuft wurde]

In letzter Zeit ist mein Papa total komisch. Vorgestern hat er gesagt, dass er mich mal anders küssen will und hat seine Zunge in meinen Mund gesteckt. Er meinte, dass ich das auch machen soll, also habe ich das auch getan. Und dann hat er seine Zunge in meinem Mund bewegt und hat dabei seine Augen ganz fest zu gemacht. Ich fand es so ekelig! Und gestern als Mama gerade einkaufen war, hat er dann gesagt, dass er mir was zeigen will und hat mich ausgezogen. Dann hat er gesagt, dass mein Freund das später auch machen wird und ist in meinen Schlüpfer gegangen und hat mich da unten angefasst. Er hat gefragt ob es mir gefällt. Ich fand es nicht toll, aber ich wollte nicht, dass Papa schimpft und habe „ja“ gesagt. Und heute Morgen sollte ich seinen Penis anfassen, aber dann hab ich angefangen zu weinen und hab „ihhh“ gesagt, dann musste ich es nicht mehr machen. Ich traue mich nicht Jessica zu fragen ob ihr Papa das auch mit ihr macht, aber der macht das bei ihr bestimmt auch, weil Papa nichts machen würde, was falsch is.
Naja,
Tschüss Marie


So wiederholte es sich das ganze Jahr und es war mir zu peinlich es jemandem anzuvertrauen und dachte es wäre normal. Zwischendurch wollte mein Vater sogar mit mir schlafen, doch ich war zu verkrampft, was dazu führte, dass er es erfreulicherweise nicht noch ein weiteres Mal versuchte.
Tja und ein Jahr später flog die ganze Sache auf und meine Mutter war total gekränkt durch ihn. Wir beide zogen weg von ihm, nach Loitsche, wo unser Leben neu beginnen sollte.

Doch richtig beginnen wollte mein neues Leben nicht. Ich fand keine Freunde und schloss mich überall aus. Auch meine Mutter machte es mir schwer. Sie hatte und nahm sich nie Zeit für mich. Abends kam sie von der Arbeit nach Hause, hielt Ordnung im Haus, ging dann schlafen und morgens wieder zur Arbeit, man konnte schon fast meinen, dass sie mich ignorierte.
Um mich ein wenig abzulenken, fuhr ich eines Nachmittags in die Innenstadt, nach Magdeburg und besuchte einen der Clubs. Dort traf ich zwei Mädels, die ungefähr so alt waren wie ich und mit denen ich mich auf Anhieb gut verstand. Wir trafen uns nun öfter dort und lernten uns richtig gut kennen. Doch schließlich merkte ich wie die beiden wirklich tickten und war davon sofort begeistert: Sie schmissen große Mengen an Trips. Anstatt jedoch wegzurennen und mich von ihnen fern zu halten, schmiss ich selbst ein paar, wurde schon nach einiger Zeit süchtig und sah selbst mit an wie mein Körper daran kaputt ging. Ich hielt mich nun viel öfter in Magdeburg auf und ignorierte meine Umwelt vollkommen, sogar meine Mutter, die davon aber nicht sonderlich viel mitbekam, da sie schon gut damit zu tun hatte mit sich selbst klar zu kommen. LSD kam plötzlich auch mit ins Spiel und mein Körper machte sich deswegen langsam bemerkbar: ich hatte dauernd Kopfschmerzen und kotzte in unnatürlichen Mengen.
Eines Abends, ich war immer noch völlig breit vom vorigen Tag, legte ich mich in einen Bus. Er fuhr und fuhr und schließlich stiegen zwei Kerle ein und nahmen zwei Reihen hinter mir Platz.
"Hey, das ist doch unsere Nachbarin, oder?", fragte der Schwarzhaarige.
"Ja kann schon sein, na und!", antwortete der andere mit den Dreads.
"Wolln wir ihr nich helfen? Guck mal die sieht voll high aus!", und der Kerl kniete sich neben mich und schaute mir direkt in die Augen. Wow, der hatte aber schöne Augen...
"Boah, man, guck dir mal ihre Pupillen an!!"
Jetzt raffte sich auch der andere auf und vergewisserte sich selbst. Jetzt schon vier davon, uuiiii...
"Ähm...jep, hallo?", er tippte mich an.
"Hallo...", sagte ich und musste danach wohl weggetreten sein. Doch die beiden mussten mich nach Hause gebracht haben, denn am nächsten Morgen wachte ich in meinem Zimmer, wo ich schon lange nicht mehr gewesen war, wieder auf.
Ohne weiter darüber nachzudenken, was eigentlich passiert war, stieg ich sofort wieder in den nächsten Bus nach Magdeburg, denn es war bereits wieder abends und ich kam langsam auf Entzug.
Ich steuerte ich einen der Clubs an und ging auf meine beiden damaligen "Freundinnen" zu, um mir was zum Drücken zu holen, doch die eine stieß mich grob zurück, sodass ich fast hinten überkippte.
"Was ist los?", fragte ich sie.
"Was los is??? Ey Kleine, es reicht, du hast seit mehreren Wochen nichts mehr bezahlt, ich hab keine Kohle mehr wegen dir, verpiss dich!", antwortete sie.
Ich starrte unglaubwürdig an. Das war jetzt nicht ihr Ernst oder? "Klar, hab ich bezahlt, ich bin doch diejenige, die dir ständig was leiht, also gib mir den Stoff!", sagte ich mit sicherer Stimme, doch da ging sie schon auf mich los. Erst als mich jemand von hinten packte und mich aus dem Club in die frische Luft zerrte, hörte ich auf um mich zu schlagen. Und wen erblickte ich?
Bill und Tom, meine Nachbarn, die Zwillinge.
Ich wollte wieder rein, doch sie trugen mich mit Leichtigkeit von dem Club weg und brachten mich nach Hause. Dort angekommen, hatte ich gar nicht mehr klar denken können, weil ich so auf Entzug war, mein ganzer Körper machte das was er wollte. Bill und Tom sorgten dafür, dass ich in eine professionelle Klinik kam, wo ich ärztlich behandelt wurde und einen erfolgreichen Entzug durchmachen konnte. Meiner Mutter erzählten die beiden irgendwas von Schüleraustausch über 2 Monate, damit sie nichts davon erfuhr und sie nahm es scheinbar einfach so hin, was sollte man auch von ihr anderes erwarten?

Nach dem Entzug konnte ich mir ein Leben ohne Bill und Tom gar nicht mehr vorstellen...
27.4.08 14:02
 


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